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(GZ-24-2025 - 18. Dezember)
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► Landkreis Fürstenfeldbruck:

Mit einem kleinen, engagierten Team 50 Schulen digital betreuen – das geht

Interview mit Janina Bodendörfer und Matthias Rohwedder, Digitale Schule FFB e.V.

Die Digitale Schule Fürstenfeldbruck (Digitale Schule FFB e.V.) gilt weit über den Landkreis hinaus als Beispiel dafür, wie interkommunale Zusammenarbeit im Schul-IT-Bereich funktionieren kann. Rund 23.000 Schülerinnen und Schüler, etwa 2.300 Lehrkräfte und fast 50 Schulen werden zentral bei allen Herausforderungen der Digitalisierung unterstützt. Das Modell hat inzwischen auch politische Aufmerksamkeit erlangt: MdL Benjamin Miskowitsch bezeichnete die Digitale Schule FFB jüngst als „Blaupause für andere Landkreise“, die ihre Schul-IT professionalisieren möchten. Im Gespräch erläutern Digitalisierungsberaterin Janina Bodendörfer und Geschäftsführer Matthias Rohwedder, wie das Modell funktioniert und weshalb es so gut übertragbar ist.

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Matthias Rohwedder und Janina Bodendörfer. Bild: Digitale Schule FFB e.V.

GZ: Frau Bodendörfer, Herr Rohwedder, wie lautet die Grundidee der Digitalen Schule FFB?

Janina Bodendörfer: Die Digitale Schule FFB ist ein gemeinnütziger Verein, der für die Sachaufwandsträger des Landkreises ein ganzheitliches, wirtschaftlich effizientes und nicht profitorientiertes Schul-IT-Dienstleistungspaket aus einer Hand bereitstellt, damit die Digitalisierung im Klassenzimmer ankommt.

GZ: Was war der zentrale Auslöser für die Gründung?

Matthias Bodendörfer: Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie unterschiedlich Schulen ausgestattet waren und wie stark die Umsetzung von einzelnen engagierten Lehrkräften oder Eltern abhing, obwohl es den DigitalPakt bereits gab. Jede Kommune kämpfte allein, es entstand ein Wildwuchs. IT-affine Eltern sowie die Berater für digitale Bildung im Landkreis haben sich damals zusammengeschlossen und versucht, ehrenamtlich ein gemeinsames Konzept zu erarbeitet. Daraus ist schließlich der Verein entstanden – mit dem Ziel, Doppelarbeit zu vermeiden und faire Bedingungen für alle Schulen im Landkreis zu schaffen.

Organisation und Finanzierung

GZ: Warum wurde die Rechtsform eines gemeinnützigen Vereins gewählt – und nicht etwa ein Zweckverband oder eine GmbH?

Rohwedder: Die Gemeinnützigkeit schafft Vertrauen bei Schulen, Eltern und Kommunen. Wir haben kein Profitinteresse. Gleichzeitig sind wir flexibler als ein Zweckverband, denn wir können ganz unbürokratisch auch Schulen und Sachaufwandsträger außerhalb der Landkreisgrenzen aufnehmen Zudem können wir Spenden annehmen. Das macht uns beweglich, eigenständig und handlungsfähig.

GZ: Sie betreuen rund 23.000 Schüler und fast 50 Schulen. Wie ist das Modell finanziert?

Bodendörfer: Die Finanzierung besteht aus zwei Bausteinen: Erstens zahlen die Mitgliedskommunen 15 Euro pro Schüler und Jahr für die Beratungsleistungen, Konzeptionsarbeiten, Unterstützung bei Fördermitteln und der Beschaffung. Zweitens wird der IT-Support nach Aufwand zu festen Stundensätzen auf TV-L-Basis abgerechnet. Wichtig ist das solidarische Modell: Der Landkreis trägt als größtes Mitglied einen besonders hohen Anteil, wovon kleinere Gemeinden profitieren, die ohne große eigene Strukturen Zugang zu professioneller Schul-IT erhalten. Es gilt: Je mehr Mitglieder, umso effektiver gestaltet sich unser Modell.

So funktioniert der Schul-IT-Support

GZ: Wie gelingt es, mit wenigen Mitarbeitern diesen Schul-IT-Support für eine große Anzahl von Schulen zu stemmen?

Rohwedder: Wir arbeiten nach einem klaren Drei-Stufen-Modell. Der First Level Support findet direkt an den Schulen statt. Die Systembetreuer kümmern sich um grundlegende Dinge. Alles, was dort nicht gelöst werden kann, geht über ein Ticketsystem direkt an unser Team im Second Level. Und wenn wir ebenfalls nicht weiterkommen, binden wir die Hersteller im Third Level ein. Der entscheidende Vorteil ist die Standardisierung: Wir setzen auf einheitliche Geräte, einheitliche Software und zentrale Verwaltung. Ob man drei Geräte oder 2.000 aktualisiert – technisch ist es derselbe Schritt. Dadurch entsteht enorme Effizienz.

GZ: Wie bringen Sie die unterschiedlichen Akteure – Schulen, Kommunen, Schulleitungen, Systembetreuer – zusammen?

Bodendörfer: Durch klare Konzepte, regelmäßige Austauschformate und viel Kommunikation. Da wir den gesamten Prozess von der Konzeptionierung, der Projekt- und Haushaltsplanung, über Beantragung der Fördergelder, Beschaffung und Implementierung, bis hin zu Support und Phase-out begleiten, können wir die Bedarfe aller Beteiligten effektiv identifizieren und diese mit unseren Standards abgleichen. Statt vieler unterschiedlicher Systeme gibt es begründete Auswahlmöglichkeiten, aber keine teuren Insellösungen. Das schafft Verlässlichkeit und spart Kosten.

GZ: Welchen unmittelbaren Nutzen haben die Schulen von Ihrer Arbeit?

Bodendörfer: Der größte Nutzen ist der zentrale IT-Support, der sich durch gute Erreichbarkeit und schnelle Reaktionszeiten auszeichnet. Schulen eröffnen bei IT-Problemen auf unkomplizierte Weise ein Ticket und haben einen einzigen verlässlichen Ansprechpartner, der sie spürbar entlastet. Lehrkräfte müssen sich nicht mehr um technische Probleme, oder die Wartung kümmern. Hinzu kommt unsere Beratung bei Medienkonzepten, Fördermitteln und Ausstattung.

GZ: Wohin entwickelt sich der Verein in den kommenden Jahren?

Rohwedder: Wir möchten personell weiterwachsen, perspektivisch auf etwa 15 Mitarbeitende. Außerdem wollen wir weitere Kommunen aufnehmen, die Zusammenarbeit mit dem Medienzentrum ausbauen und uns stärker mit dem sinnvollen Einsatz von künstlicher Intelligenz im Unterricht beschäftigen. Unsere Vision ist ein dauerhaft tragfähiges, interkommunales Modell, das Schulen technischen, pädagogischen und organisatorischen Rückhalt gibt.

GZ: Ihr Modell gilt als gut übertragbar. Können andere Kommunen Ihrem Verein beitreten?

Rohwedder: Ja, und das passiert bereits. Wir haben Mitglieder aus den Landkreisen Starnberg und Dachau. Weitere Kommunen können beitreten, solange sie geografisch so liegen, dass wir den Vor-Ort-Support leisten können. Darüber hinaus können wir Kommunen, die eigene Modelle aufbauen wollen, als Best-Practice-Beispiel dienen. Das hat auch MdL Benjamin Miskowitsch betont, der unser Modell öffentlich als Blaupause für andere Regionen bezeichnet hat. Dass er uns auf Landesebene sichtbar macht, hilft natürlich zusätzlich, denn es zeigt: Interkommunale Zusammenarbeit funktioniert – und zwar sehr gut.

GZ: Zum Schluss: Was sollten interessierte Kommunen unbedingt wissen?

Rohwedder: Digitalisierung an Schulen gelingt nur gemeinsam. Es braucht Standards, klare Zuständigkeiten und einen zentralen IT-Support. Ohne dieses Fundament wird Schul-IT teuer und ineffizient. Gerade die Medienkonzepte sind ein wichtiger Baustein, denn sie sind vergleichbar mit dem Businessplan eines Unternehmens.

Bodendörfer: Und es zeigt sich: Mit einem kleinen, gut aufgestellten Team kann man sehr viel erreichen – wenn die Strukturen stimmen und alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

CH

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