| (GZ-1/2-2026 - 15. Januar) |
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Nüchtern statt apokalyptischEin neues Jahr ist angebrochen, aber irgendwie will nicht diese Stimmung von Aufbruch zu neuen Ufern und von Zuversicht im Neuanfang aufkommen, die doch eigentlich mit solchen kalendarischen Brüchen verbunden sein sollte. Klar, die Weltlage bietet Anlass zur Sorge. US-amerikanische Actionfilm-Stunts in Venezuela (obwohl: Maduro ist hinter Gittern genau da, wo er hingehört), Chinas Monster-Militärmanöver in der Straße von Taiwan, ein immer brutalerer Krieg gegen Zivilisten in der Ukraine. Iran, Sudan, Jemen – die Krisenherde sind kaum aufzuzählen. Und dann beschert uns eine seltsame Luftmassenkonstellation auch noch das seltene Wetterphänomen des Schnees im Winter, dessen Auswirkungen fast einen ARD-Brennpunkt wert gewesen wären. Dazu kommt eine wirklich schwierige Wirtschaftslage, mit einer bisher nicht bekannten Rezessionsphase und zunehmenden Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Das drückt natürlich auch auf die Stimmung, vor allem weil die Bundesregierung durch eine ihr zugehörige 13-Prozent-Sperrminorität gehindert wird, endlich tiefgreifende Reformen zur wirtschaftlichen Besserung zu ergreifen. Aber ist es richtig, so unendlich, ungeheuerlich und untröstlich schwarz zu sehen? Stichwort Autoindustrie. Ob Journalisten, Aktivisten, selbsternannte Experten bis hin zu Eric Trump – alle wissen, dass die deutsche und europäische Autoindustrie nur noch ein Dinosaurier ist, der den Bach runtergeht und die Zukunft China gehört. Europa habe das E-Auto verschlafen und nun könnten wir nur wie die eingeschüchterten Karnickel auf den großen roten Drachen blicken. Wirklich? Wie ich schon einmal an dieser Stelle bemerkte, fährt der Bürgermeister sowohl dienstlich als auch privat bayerische E-Autos und ist voll zufrieden damit. Und in einer ansonsten seriösen Zeitung wurde jüngst der Fahrbericht eines chinesischen Autos abgedruckt, um die Überlegenheit der Autobauer des Reichs der Mitte zu zeigen. Nur nebenbei wurde erwähnt, dass die atemberaubenden Reichweitenangaben darauf beruhten, dass ein Hybridmodell getestet wurde. Hybrid kann Europa aber auch. Ich will mich jetzt auch nicht groß darüber auslassen, ob dem E-Auto oder dem Verbrenner der Vorzug zu geben ist oder welchem Antrieb die Zukunft gehört. Natürlich freue ich mich zu lesen, dass in Norwegen, einem Land mit 5,5 Millionen Einwohnern, fast ausschließlich E-Autos neu zugelassen werden. Sicherlich könnte man viel dort lernen, etwa was die Frage der Elektromobilität in dünn besiedelten ländlichen Räumen angeht. Aber ob in Indien (1,5 Milliarden Einwohner), Nigeria (240 Millionen) oder Südafrika (65 Millionen) so schnell die Abkehr vom Verbrenner gelingt? Vielleicht ist es deshalb und wegen der Abkehr der USA von der Elektromobilität ganz clever, sich nicht von der Produktion und vor allem der Forschung zum Verbrennermotor zu verabschieden, wenn man auch noch Märkte außerhalb Europas und Chinas bedienen will. Die deutsche Industrie wird auch kritisiert, dass sie noch viel zu viele Diesel produziert. Aber hat der Diesel wirklich keine Zukunft mehr? Gut, es gibt auch Panzerantriebe mit Kerosin, aber Diesel wird für Kettenfahrzeuge und schwere Militärlaster auf Sicht der Antrieb der Wahl sein. Oder kann man sich mobile E-Ladesäulen für das Schlachtfeld vorstellen? Zudem werden wir immer noch eine Flotte von Dieselfahrzeugen für heimische Katastrophenfälle vorhalten müssen, um bei großflächigen Blackouts wie vor ein paar Tagen in Berlin noch Krankentransport und Feuerwehr sicherstellen zu können. Schließlich macht die Energiewende auch die Notstromaggregate nicht überflüssig. In den Tagen ruhigen Nachdenkens habe ich mir gedacht: Vielleicht macht es die deutsche Autoindustrie richtig, zwar sehr gute E-Autos zu entwickeln, aber hier nicht all-in zu gehen. Diversifikation mag langfristig siegen. Sehe ich das zu rosig? Es steckt halt viel Ludwig Erhard in mir: „Ich glaube, es ist immer noch besser, die Wirtschaft gesundzubeten, als sie totzureden.“ |
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Ihr Pino
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