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(GZ-21-2025 - 6. November)
GZ 21 2025 zu Gast bei Doris Baumgartl

Doris Baumgartl

Oberbürgermeisterin der Stadt Landsberg am Lech

Welche Kommune und wie viele Einwohner vertreten Sie?
Ich vertrete die Stadt Landsberg am Lech mit knapp 30.000 Bürgerinnen und Bürgern.

Wann haben Sie Ihr Amt angetreten und sind Sie hauptamtlich oder ehrenamtlich tätig?
Mein Amt als hauptamtliche Oberbürgermeisterin habe ich am 1. Mai 2020 angetreten.

Welchem Beruf sind Sie vor Amtsantritt nachgegangen bzw. üben Sie diesen nach wie vor aus?
Als Diplom-Verwaltungswirtin habe ich öffentliche Verwaltung studiert und war lange Jahre im Rathaus der Stadt München im Bereich Personal und Organisation tätig. Anschließend verantwortete ich bei den Städtischen Kliniken München die Themen Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, bevor ich ins wissenschaftliche Sekretariat des Europäischen Pflegekongresses wechselte.

Was war Ihr persönlicher Anreiz in die Kommunalpolitik zu gehen?
Man kann sich entscheiden, Dinge, die man für verbesserungswürdig hält, weiter zu kritisieren oder man packt sie selbst an. Ich wollte Verantwortung übernehmen und meinen Beitrag leisten, um etwas zu bewegen.

Wie haben Sie sich vorbereitet? 
Durch mein Studium und meine langjährige Berufserfahrung in der öffentlichen Verwaltung hatte ich bereits sehr gute Voraussetzungen. Zudem war ich schon sechs Jahre zuvor Stadträtin und zweite Bürgermeisterin. In dieser Zeit haben mich viele Bürgerinnen und Bürger ermutigt, für das Amt der Oberbürgermeisterin zu kandidieren.

Wo lagen bei Ihrem Amtsantritt die Herausforderungen? 
Die größte Herausforderung war zweifellos die Corona-Pandemie. Niemand war darauf wirklich vorbereitet. Dass wir diese schwierige Zeit in Landsberg so gut gemeistert haben, lag vor allem am großen Zusammenhalt in unserer Stadt. Aus meiner früheren Arbeit war mir vieles vertraut, doch als Oberbürgermeisterin stand ich vor der Aufgabe, zahlreiche Projekte zu ordnen und klare Prioritäten zu setzen. Die richtigen Schwerpunkte zu finden, war anspruchsvoll, aber auch sehr spannend. Wichtig war mir außerdem, die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter persönlich kennenzulernen, was in Zeiten von Corona eine besondere Herausforderung war.  Ich wurde zwar mit überwältigender Mehrheit gewählt, dennoch mussten sich einige erst daran gewöhnen, dass eine Frau an der Stadtspitze steht – heute ist das zum Glück kein Thema mehr.

Welche Themen beschäftigen Sie momentan? 
Wie in vielen Städten steht auch bei uns das Thema bezahlbarer Wohnraum ganz oben. Daher war mir die Gründung einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft ganz besonders wichtig. Bereits innerhalb eines Jahres konnten wir das erste Projekt erfolgreich umsetzen und weitere werden unmittelbar folgen.

Auch andere Vorhaben stehen kurz vor der Fertigstellung: der Bau unseres neuen Jugendzentrums im Herzen der Stadt, die Wiedereröffnung des Stadtmuseums nach siebenjähriger Bauzeit und der Umbau sowie die Sanierung des Inselbads.

Womit werden Sie sich noch auseinandersetzen müssen/wollen? 
Ein wichtiges Zukunftsthema ist der öffentliche Nahverkehr im ländlichen Raum. Wir haben einen umfangreichen Verkehrsentwicklungsplan beschlossen, der nun Schritt für Schritt umgesetzt wird. Besonders am Herzen liegt mir auch, dass unsere Wirtschaft stabil bleibt, denn nur so können wir soziale Leistungen sichern und die kulturelle Vielfalt, die Landsberg auszeichnet, dauerhaft erhalten. Unsere Stadt ist ein attraktiver Standort für namhafte Unternehmen und bietet zugleich eine hohe Lebensqualität an einem Ort, an dem man sich einfach wohl fühlt. Zudem planen wir in unserer historischen Altstadt einen größeren Schulneubau mit Erweiterung, damit unsere Kinder auch künftig beste Lernbedingungen haben.

Haben Sie einen wichtigen Ratschlag für junge Kolleginnen und Kollegen?
Ich möchte besonders junge Frauen ermutigen, sich stärker in der Politik zu engagieren. Gerade die Kommunalpolitik bietet die schöne Möglichkeit, Lebensqualität unmittelbar mitzugestalten. Wichtig ist, Vertrauen in demokratische Prozesse zu haben und gleichzeitig die eigenen Überzeugungen nicht aus den Augen zu verlieren.

Wie beziehen Sie Kolleginnen und Kollegen / Bürgerinnen und Bürger / Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Ihre Arbeit und in Ihre Entscheidungsfindung ein?
Das geschieht auf ganz unterschiedliche Weise – durch regelmäßige Leitungssitzungen, Bürgersprechstunden, Ortsteilversammlungen und das Bürgerbüro mit seinem engagierten Team. Unsere Homepage und Social-Media-Kanäle werden zunehmend genutzt, auch von älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Eine wichtige Rolle spielt dabei der engagierte Seniorenbeirat, der mit seinen vielfältigen Aktivitäten das Miteinander in unserer Stadt bereichert.

Wieviel Einfluss wird die Digitalisierung auf die künftige Kommunalpolitik haben?
Die Digitalisierung wird viele Verwaltungsabläufe beschleunigen und hoffentlich an vielen Stellen vereinfachen. Dennoch ist es mir wichtig, den persönlichen Kontakt nicht zu verlieren. Bei allem technischen Fortschritt muss das Menschliche, muss der Einzelne weiterhin im Vordergrund stehen.

Gibt es ein Lebensmotto, das Sie begleitet?
Ich glaube immer an das Gute im Menschen. Und ich finde: Man sollte nicht erklären, warum etwas nicht geht, sondern Wege finden, es möglich zu machen.

Wie wollen Sie in Erinnerung bleiben?
Das klingt fast wie ein Nachruf. Im Ernst: Mir geht es darum, Dinge zu gestalten, die Bestand haben. Landsberg hat eine große Geschichte und eine lebendige Gegenwart – mit seiner historischen Altstadt, seiner kreativen Wirtschaft, seinem Bildungs- und Kulturangebot. Diese Mischung macht unsere Stadt aus. Wenn man eines Tages sagen würde, dass es mir gelungen ist, Bewährtes zu bewahren, neue Perspektiven zu eröffnen und Landsberg zukunftssicher zu machen – das würde mich freuen. Und genau daran arbeite ich, wenn die Bürgerinnen und Bürger mir erneut ihr Vertrauen schenken: miteinander, nicht gegeneinander.

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