Landkreis Rosenheim: Startschuss für Netzwerk Familie
von Doris Kirchner

Mit einem Fachtag hat der Landkreis Rosenheim das Netzwerk Familie offiziell gestartet. Zu der Veranstaltung hatte die Koordinierungsstelle Familienbildung im Kreisjugendamt Fachkräfte, Träger und Netzwerkpartner eingeladen. Im Mittelpunkt standen die Vorstellung der Ergebnisse aus der Konzeptionsphase sowie erste konkrete Maßnahmen.
Landrat Otto Lederer wies in seinem Grußwort darauf hin, dass Familien heute vor vielfältigen Herausforderungen stünden. Gleichzeitig gebe es im Landkreis Rosenheim bereits ein breites Angebot an Elternkursen, Eltern-Kind-Gruppen und offenen Treffpunkten. Aufgabe des neuen Netzwerks sei es, diese bestehenden Angebote besser sichtbar zu machen und stärker miteinander zu vernetzen. Eine Elternbefragung des Kreisjugendamts mit insgesamt 1.736 Teilnehmern habe gezeigt, dass viele Familien die vorhandenen Angebote nicht kennen.
Kern des neuen Netzwerks sind zwei geplante Familienstützpunkte, die künftig als erste Anlaufstellen für Familien dienen sollen. Sie übernehmen insbesondere Wegweiser- und Vermittlungsfunktionen und unterstützen Eltern dabei, passende Bildungs- und Beratungsangebote zu finden. Pädagogische Fachkräfte informieren dort über Angebote der Familienbildung, beraten individuell und arbeiten eng mit weiteren Einrichtungen im Landkreis zusammen.
Ein Familienstützpunkt wird im südlichen Inntal eingerichtet. Träger ist das Caritas-Zentrum der Region Rosenheim. Ein weiterer Stützpunkt entsteht im nördlichen Landkreis an der Grenze zum Chiemgau und wird vom AWO Kreisverband Rosenheim-Miesbach getragen. Die konkreten Standorte werden in Abstimmung mit den jeweiligen Trägern festgelegt.
Familienbildung ist kein Randthema
Landkreischef Lederer bezeichnete die Familienstützpunkte als niedrigschwellige Orte, an denen Familien unkompliziert Orientierung und Unterstützung erhalten sollen. Damit werde ein zentrales Ziel des Familienbildungskonzepts des Landkreises konkret umgesetzt.
Anerkennende Worte für das Rosenheimer Konzept fand auch der verantwortliche Ministerialrat im Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, Robert Höcherl. Das Konzept habe überzeugt und sei daher freigegeben worden, erklärte Höcherl. Familienbildung sei lange Zeit ein Randthema gewesen, habe jedoch spätestens seit der Einführung des Förderprogramms im Jahr 2013 deutlich an Bedeutung gewonnen. Derzeit beteiligten sich bayernweit 53 Landkreise an dem Programm, insgesamt gebe es rund 220 Familienstützpunkte. Die Arbeit mit und für Familien sei eine Investition in die Zukunft der Gesellschaft, betonte Höcherl. Präventive Angebote könnten dazu beitragen, Probleme frühzeitig zu vermeiden und langfristig Folgekosten zu reduzieren.
Digitale Plattform geplant
Ergänzend zu den Familienstützpunkten arbeitet der Landkreis Rosenheim am Aufbau einer digitalen Plattform mit dem Titel „Familienleben Landkreis Rosenheim“. Dieses Angebot soll Familien künftig gebündelt Informationen sowie Ansprechpartner zur Verfügung stellen und im Laufe des ersten Quartals an den Start gehen.
Das Familienbildungskonzept des Landkreises Rosenheim wurde im November 2025 vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales anerkannt und damit bis zum Jahr 2032 im Förderprogramm verankert. Ziel des Konzepts ist es unter anderem, bestehende Angebote besser zu koordinieren, gleichwertige Zugänge zur Familienbildung im gesamten Landkreis zu gewährleisten und das Thema Familie insgesamt stärker in den Fokus zu rücken.