Ein Gespräch mit Birgit Geier, Landesjugendleiterin der Wasserwacht Bayern: „Bitte öffnet uns die Türen“

GZ Ausgabe GZ-23-2025 vom 4. Dezember 2025 | Interviews
von Constanze von Hassel
Porträt
Birgit Geier, Landesjugendleiterin der Wasserwacht Bayern. Bild: Matthias Balk / Wasserwacht Bayern

Die Wasserwacht Bayern schlägt Alarm: Für den Landesjugendwettbewerb 2026 wird dringend ein Austragungsort gesucht – doch immer mehr Kommunen verwehren Schulen und Hallenbäder. Landesjugendleiterin Birgit Geier appelliert im GZ-Gespräch eindringlich an Bayerns Kommunen: „Bitte öffnet uns wieder die Türen. Unsere Kinder brauchen Trainingsmöglichkeiten – und Bayern braucht junge Rettungsschwimmer.“

GZ: Frau Geier, Sie leiten die Jugend der Wasserwacht Bayern. Warum sind die jährlichen Jugendwettbewerbe so wichtig?

Birgit Geier: Diese Wettbewerbe sind für unsere Kinder und Jugendlichen ein Höhepunkt des Jahres – und weit mehr als sportlicher Wettkampf. Sie verbinden Spaß am Sport mit Freude am Helfen. Die Kinder üben Rettungstechniken, Erste Hilfe, den Umgang mit Rettungsgeräten und lernen im Team zu funktionieren. Diese Erfahrungen prägen – sie stärken Selbstvertrauen, Verantwortungsbewusstsein und Wasserkompetenz.

GZ: Wie groß sind diese Wettbewerbe?

Geier: Auf Landesebene kommen rund 30 Mannschaften, bestehend aus 6 Teilnehmern und 2 Erwachsenen, zusammen, begleitet von etwa 60 Helfern. In einigen Bezirken treten bis zu 40 Teams an. Insgesamt sind es jedes Jahr hunderte Kinder, Jugendliche und Ehrenamtliche, die üben und über sich hinauswachsen.

Appell an Kommunen

GZ: Und diese Wettbewerbe sind gefährdet.

Geier: Ja – und das ist dramatisch. Immer mehr Kommunen verwehren uns den Zugang zu Schulen und Hallenbädern. Früher war es selbstverständlich, dass wir in Schulen übernachten durften und die Bäder für die Wettbewerbe bereitstanden. Heute häufen sich die Absagen – oft mit Verweis auf Brandschutz, Datenschutz oder erhöhte Auflagen. Dazu kommen Gebühren, die wir als gemeinnützige Wasserrettungsorganisation kaum tragen können.

GZ: Wie akut ist die Lage?

Geier: Sehr akut. Für den Landesjugendwettbewerb im Mai 2026 liegt noch kein Austragungsort vor, turnusgemäß ist Oberbayern an der Reihe. Und wir sind bereits spät dran – denn sobald Ort und Bad feststehen, müssen wir Schiedsrichter, Logistik, Verpflegung und Transport frühzeitig organisieren. Noch nie war es so schwierig wie jetzt.

GZ: Wie entlasten Sie die Einrichtungen?

Geier: Wir hinterlassen Schulen und Bäder sauber, übernehmen Reinigungskosten und arbeiten eng mit Hausmeistern zusammen. Für den Wettkampf reicht ein 25-Meter-Becken – und ein Raum, in dem die Kinder übernachten können. Die Belastung ist minimal, der Nutzen enorm.

GZ: Gibt es auch positive Beispiele?

Geier: Ja – dort, wo Bürgermeister oder Landräte aktiv unterstützen, gelingt es weiterhin. Im Landkreis Dachau oder Rosenheim etwa klappt die Zusammenarbeit bis heute gut. Das zeigt: Es geht, wenn man will.

GZ: Welche Bedeutung haben die Wettbewerbe für die Kinder persönlich?

Geier: Diese Wochenenden bleiben – ein Leben lang. Meine eigene Tochter spricht heute mit 30 Jahren noch davon, weil Gemeinschaft, Leistung, Aufregung, Schlafen in der Schule und die Atmosphäre einfach etwas ganz Besonderes sind. Und wir hören solche Geschichten immer wieder: Benjamin Miskowitsch, MdL und Bezirksvorsitzender der Wasserwacht Oberbayern, hat selbst als Jugendlicher an den Wettbewerben teilgenommen. Er sagt, dass ihn diese Erlebnisse geprägt haben – positiv, nachhaltig und bis heute spürbar. Genau das bestätigen uns viele ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

GZ: Wie wirkt sich der Mangel an Trainingsflächen grundsätzlich aus?

Geier: Er trifft uns hart. Immer mehr Bäder schließen, Schwimmzeiten werden gekürzt, Bahnen werden für die Öffentlichkeit freigehalten. Wir könnten deutlich mehr Kinder aufnehmen, wenn wir mehr Wasserflächen hätten. Doch der Trend geht in die andere Richtung.

Wasserkompetenz und Teamgeist

GZ: Wie ist die Schwimmfähigkeit der Kinder in Bayern?

Geier: Leider rückläufig. Ich beobachte selbst, dass in jeder Grundschulklasse Kinder nicht sicher schwimmen können. Bei uns in der Wasserwacht sieht es besser aus – aber nur, weil wir früh ansetzen, oft schon im Kindergarten. Schwimmen ist eine Lebenskompetenz. Sie rettet Leben – das eigene und das anderer.

GZ: Was ist Ihre Botschaft an die kommunalen Entscheidungsträger?

Geier: Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass unsere Kinder schwimmen lernen und ihre Fähigkeiten stärken können. Geben Sie uns Räume – in Schulen, in Turnhallen, in Bädern. Wir bitten nicht für uns. Wir bitten für die Kinder – und für die jungen Menschen, die morgen vielleicht Leben retten. Bitte öffnen Sie uns wieder die Türen. Bayern braucht junge Lebensretter – und die Wasserwacht kann sie nur ausbilden, wenn Sie uns unterstützen.

Constanze von Hassel

Constanze von Hassel, Chefredakteurin

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