| (GZ-21-2025 - 6. November) |
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München greift nach den RingenMünchen wird wieder Olympiastadt – YES. Woher ich das weiß? Naja, so ganz genau weiß ich es natürlich nicht, aber getreu der alten Erkenntnis, dass nur derjenige andere begeistern kann, der selbst begeistert ist, verbietet sich im Hinblick auf Münchens Olympiabewerbung jedes relativierende „vielleicht“ oder „möglicherweise“. Für den entsprechend optimistischen Blick in eine durch fünf bunte Ringe geprägte Zukunft spricht zunächst das klare, ja überwältigende Votum der Münchnerinnen und Münchner beim jüngsten Bürgerentscheid. Das Votum selbst, vor allem aber seine Deutlichkeit waren für mich – ehrlich gesagt – total überraschend, da ich mich noch sehr gut an die Bürgerentscheide 2013 zur möglichen Bewerbung für olympische Winterspiele 2022 erinnere, die sämtlich ablehnend waren. Doch im Jahr 2025 drangen die Wanderprediger einer die Zukunft negierenden, satten und selbstzufriedenen Republik mit ihren miesepetrigen Kassandrarufen bei der Bevölkerung nicht durch. Es wird interessant werden zu erkunden, was zu diesem Stimmungsumschwung geführt hat. Sind Sommerspiele einfach attraktiver als Winterspiele? Haben die Münchner die Bilder der sehr gelungenen Spiele in Paris noch vor Augen und wollen in ihrer Stadt auch ein so anregendes Sportfest mit der ganzen Welt feiern? Oder setzt sich doch allmählich die Erkenntnis durch, dass eine Gesellschaft, die nichts wagt, die nichts verändern will, die nicht zu neuen Ufern aufbricht langsam aber umso sicherer international abgehängt werden und in morbider Schönheit zum Freiluftmuseum vergangener Zeiten verkommen wird. Wie dem auch sei, die Verantwortlichen haben jetzt besten Rückenwind, um Münchens Bewerbung auf gleich drei Termine 2036, 2040 und 2044 zu puschen. Drei Chancen, ein Ziel, das jetzt zwei Drittel der Abstimmenden mittragen. Gut, es gilt noch, sich national gegen Mitbewerber durchzusetzen. Aber in Berlin wird es gar keinen Bürgerentscheid geben. Böse Zungen sagen, weil die Berliner Verwaltung gar nicht in der Lage wäre, so etwas zu organisieren, nachdem man sich schon mit Wahlen schwertut. Selbst wenn man nicht so böse ist, muss man feststellen, dass Grüne und Linke gegen die Bewerbung Berlins sind. Und die Linke (formerly known as PDS/SED, daran darf man ja mal erinnern) könnte im nächsten Jahr die Landesregierung dominieren. Dann hätte die Stadt als Alternative die Ausrichtung einer Spartakiade, also ein Sportfest für sozialistische Kampfdoper wie zu DDR-Zeiten. Vielleicht ein bisserl fad, da wohl überall die Chinesen siegen würden. Hamburg wird sich nicht bewerben können, weil es alle Hände voll zu tun haben wird, bis 2040 klimaneutral zu werden. Das ergab auch ein Bürgerentscheid, allerdings scheinen sich an dem überwiegend verwöhnte Wohlstandskinder beteiligt zu haben, die damit die Gentrifizierung eines ganzen Landes vorantreiben wollen. Seither ist HH als Metropole abgemeldet. Und die menschlich sympathischen Mitbewerber aus Rhein-Ruhr? Nachdem es die Bahn nicht geschafft hat, die Schlachtenbummler bei der EURO24 (Fußball für Nichtsportaffine) rechtzeitig zum Anpfiff in die Arena AufSchalke zu bringen, haben sie wohl nur krasse Außenseiterchancen. Bleibt noch die internationale Dimension. Klar, wenn die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain oder Brunei sich die Spiele kaufen wollen, schauen wir in die Röhre. Länder wie Indien, Indonesien oder Nigeria könnten natürlich auch Ambitionen haben, sich als Nationen mit Zukunft zu präsentieren. Aber als gefühlt jüngste, vitalste und schönste Stadt des Alten Kontinents Europa sollte München doch auch nicht nur Außenseiterchancen haben. Vor allem sollte die Aussicht, nahtlos von den Olympischen Sommerspielen über die Paralympischen Spiele in die Oktoberfestsaison einschwenken zu können, doch auch den korruptesten IOC-Funktionär für Isar-Athen einnehmen. In diesem Sinne sei allen, die sich jetzt für München als Austragungsort ins Getümmel werfen der Satz von Ephraim Kishon ins Gedächtnis gerufen: „Es geht im Sport nicht nur ums Geschäft. Es geht auch darum, dass die Fans nichts davon merken.“ |
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Ihr Pino
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