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(GZ-22-2021)
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Ein Gespenst geht um in Deutschland

Pino fühlt ein Gespenst, das in Deutschland umgeht. Der sensible Kater wird zwar vom Bürgermeister gut versorgt; jedoch treibt ihm die Inflation die Tränen in seine Katzenaugen; zumal er sie für hausgemacht hält, weil es vor allem die Energiepreise sind, die den einfachen Bürgern die Haare vom Kopf fressen.

Ein Gespenst geht um in Deutschland. Nein, obwohl auch in Mecklenburg-Vorpommern wie in Thüringen, Bremen und Berlin jetzt überflüssigerweise Kommunisten wieder mitregieren, geistert nicht der Kommunismus herum und das Manifest von Kalle Marx verstaubt immer noch sanft in den Regalen.

Nein, das Gespenst heißt Inflation. Zwar liegt die Inflationsrate derzeit nur bei 4,5 Prozent und damit niedriger als in den USA (6,2 Prozent), der Türkei (19,89 Prozent) oder Venezuela (2700 Prozent), aber wir wären nicht in Deutschland, wenn nicht gleich an allen Ecken und Enden Panikmacher auftauchen würden, die das Gespenst der Hyperinflation der Jahre 1922 und 1923 beschwören würden, die tatsächlich den Effekt hatte, eine ohnehin elende Bevölkerung noch mehr verelenden zu lassen.

Nun ist das Phänomen Inflation zwar für den Einzelnen leicht zu fassen – alles wird teurer. Aber warum Inflation entsteht, ist nicht immer ganz klar. Derzeit scheinen es wohl im Wesentlichen drei Komponenten zu sein: Die im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2020 höhere Umsatzsteuer (jetzt wieder 19 statt im letzten Jahr vorübergehend 16 Prozent), die Knappheit verschiedener Vorprodukte, die Rabattaktionen verhindern, und vor allem die Energiepreise. Und da wird es dann natürlich heftig, wenn Strom um fast 10 Prozent teurer wird, Tanken um 38 Prozent und Heizen gar um 60 Prozent.

Und spätestens hier schlägt es ins Sozialpolitische um: Denn der Preis für Energie ist der Brotpreis des 21. Jahrhunderts. Es geht bei uns nichts ohne Strom – elektrisches Licht gehört zu einem menschenwürdigen Dasein genauso wie eine warme Wohnung im Winter. Die ganz große Mehrheit ist auf das Auto angewiesen, wenn es um Mobilität geht und selbst wenn der Gaming-Computer oder das Smartphone nice-to-haves sein sollten, spätestens der Laptop und das Mobiltelefon für das neue Arbeiten im Homeoffice sind must-haves unserer Volkswirtschaft.

Tatsächlich ist es bei den Energiepreisen wie generell bei der Inflation: Sie spalten. Ich bin zum Beispiel völlig inflationsresistent. Der Bürgermeister sorgt für mein Essen und den warmen Platz am Ofen auch wenns teurer wird – aus Verantwortungsbewusstsein und aus Tierliebe. Wenig spürbar ist die Geldentwertung auch für die Gutverdiener, die nur einen kleinen Teil des Einkommens für Energie oder Lebensmittel aufwenden müssen und ihr Vermögen in Sachwerten anlegen können. Gekniffen ist die Mittelschicht, der die Preise davonlaufen und deren Bank- und Lebensversicherungsguthaben wegschmelzen oder die Geringverdiener, die praktisch das ganze Einkommen in den Supermarkt, an die Tankstelle oder zu den Stadtwerken tragen müssen.

Insofern gibt es kaum etwas Unsozialeres als eine starke Geldentwertung. Vor allem, weil sie zu einem großen Teil hausgemacht ist. Klar reiben sich bei den gestiegenen Öl- und Gaspreisen Putin und die Scheichs die raffenden Hände. Aber niemand zwingt uns, weiter am Atomausstieg festzuhalten und preiswerten, klimaneutralen Strom in den Wind zu schießen. Hausgemacht sind auch Kostenfaktoren wie die EEG-Umlage beim Strom, die rund ein Viertel des Preises ausmacht. Dann die neue CO2-Steuer, die dieses Jahr schon voll zuschlägt und den Leuten mit jährlichen Steigerungen die Haare vom Kopf fressen wird. Schon jetzt besteht die Hälfte des Energiepreises aus Steuern, Abgaben und Umlagen.

Natürlich kommt jetzt der Einwand, dass Energie in Zeiten des Klimawandels ihren Preis haben muss. OK, aber wieso verteuert man dann alles pauschal und fördert nicht das Sparen? Umsatzsteuercashback beim Kauf einer stromsparenden Waschmaschine? Fehlanzeige. Preissenkungen bei Bahn und ÖPNV?

Dream on. Bonus auf den Ökostromvertrag? What? Derzeit wird systematisch das verteuert, auf das existenziell niemand verzichten kann, ohne dass es wirtschaftlich, gesellschaftlich oder ökologisch zu einem Mehrwert kommt. Der amerikanische Investor Warren Buffet bringt es auf den Punkt: „Preis ist, was du zahlst, Wert ist, was du bekommst“.

Ihr Pino

Pino

 

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