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(GZ-19-2023 - 12. Oktober)
Peter Ziegelmeier, Erster Bürgermeister, Markt Fischach
 

Peter Ziegelmeier

Erster Bürgermeister, Markt Fischach

Welche Kommune und wie viele Einwohner vertreten Sie?

Markt Fischach mit sieben Ortsteilen und derzeit knapp 5.200 Einwohnerinnen und Einwohnern.

 

Wann haben Sie Ihr Amt angetreten und sind Sie hauptamtlich oder ehrenamtlich tätig?

Ich bin seit dem Jahr 2008 hauptamtlicher Erster Bürgermeister.

 

Welchem Beruf sind Sie vor Ihrem Amtsantritt nachgegangen bzw. üben Sie diesen nach wie vor aus?

Ich war vor meinem Amtsantritt 26 Jahre lang als selbstständiger Rechtsanwalt tätig. Als kommunaler Wahlbeamter darf und übe ich diesen Beruf während meiner Amtszeit nicht aus.

 

Was war Ihr persönlicher Anreiz in die Kommunalpolitik zu gehen?

Ich bin in Fischach geboren. Die Gemeinde ist meine Heimat, deren Gestaltung und Entwicklung mir ein echtes Anliegen war und immer noch ist. Außerdem wollte ich nach den langen Jahren meiner Anwaltstätigkeit noch einmal etwas anderes machen.

 

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Vor meinem Amtsantritt war ich sechs Jahre als Marktgemeinderat und dann 18 Jahre als Zweiter Bürgermeister ehrenamtlich tätig, sodass ich mit den kommunalen Angelegenheiten durchaus vertraut war.

 

Wo lagen bei Ihrem Amtsantritt die Herausforderungen?

Vordringliche Aufgabe und ja auch Herausforderung bei meinem Amtsantritt war die noch nicht abgeschlossene Beitragsabrechnung mehrerer Baugebiete und Ausbaustraßen.

In gleicher Weise sofort beschäftigt hat mich der Ausbau unserer Grund- und Mittelschule, der infolge der gestiegenen Schülerzahlen (derzeit 620 Schülerinnen und Schüler) dringend erforderlich war.

Darüber hinaus war eine weitere vordringliche Aufgabe bei meinem Amtsantritt die Erschließung des damals noch im Planungsstadium befindlichen Gewerbegebiets mit immerhin 40.000 qm Grundfläche fortzuführen und zum Abschluss zu bringen.

Auch die Eröffnung des Naturfreibades mit all ihren Vorbereitungen auf die erste Badesaison war eine echte Herausforderung, gleichzeitig aber auch der Start für einen riesigen Besuchermagneten für den Markt Fischach und die Region, der uns alljährlich auf`s Neue begeistert.

 

Welche Themen beschäftigen Sie momentan?

Derzeit intensiv beschäftigt bin ich mit den Folgen der angespannten Haushaltslage aufgrund eines für den Markt Fischach völlig „ungewohnten“ Einbruchs der Gewerbesteuer in ganz erheblicher Höhe.

 

Womit werden Sie sich noch auseinandersetzen müssen/wollen?

Nach derzeitigem Stand ist die für die Anbindung (ÖPNV) des ländlichen Raums und damit auch für meine Gemeinde sehr bedeutsame Reaktivierung der „Staudenbahn“ auf einem sehr guten Weg. Von gleicher Bedeutung für die Gemeinde ist auch die weitere Unterstützung der Fa. Müller Milch durch die Gemeinde beim Ausbau des Standortes dieser Firma hier im Ortsteil Aretsried. Zudem muss die Grund- und Mittelschule mit OGTS (Offene Ganztagsschule, Amn. d. Red.) weiter ausgebaut werden, was ebenso auch gilt, schon aufgrund des immer noch erheblichen Zuzugs auch junger Familien, für die Sicherstellung ausreichender Kindergartenplätze.

 

Haben Sie einen wichtigen Ratschlag für junge Kolleginnen und Kollegen?

Vielleicht den: Es allen recht zu machen, ist eine Kunst, die niemand kann.

 

Wie beziehen Sie Kolleginnen und Kollegen / Bürgerinnen und Bürger / Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Ihre Arbeit und in Ihre Entscheidungsfindung ein?

Durch wirklich ständige Gespräche sowohl mit den Kolleginnen und Kollegen des Marktgemeinderats wie auch den Bürgerinnen und Bürgern bei allen möglichen Gelegenheiten. Und was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rathaus betrifft, so steht meine Tür für jede und jeden offen. Zudem habe ich im Rathaus eine regelmäßig an jedem Montagmorgen stattfindende sog. „Montagsbesprechung“ mit den leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wie auch dem Zweiten Bürgermeister und der Dritten Bürgermeisterin, eingeführt.

 

Wieviel Einfluss wird die Digitalisierung auf die künftige Kommunalpolitik haben?

Ganz grundsätzlich gilt, dass Digitalisierung ohne personelles Know-how nicht umsetzbar ist, zumal die damit verbundene Anpassung von Verwaltungsprozessen zudem einen ganz erheblichen finanziellen Aufwand bedeutet und insbesondere im Hinblick auf Datenschutz und Datenzugang eine große Herausforderung darstellt. Kommunalpolitisch betrachtet wird die Digitalisierung den Bürgerinnen und Bürgern zwar sicher den Zugang zum Rathaus erheblich erleichtern.

Der aus meiner Sicht gerade in kleineren Gemeinden unabdingbar notwendige, persönliche Kontakt der Gemeindebürgerinnen und Bürger mit der Verwaltung, dem Bürgermeister geht jedoch mehr und mehr verloren. Im übrigen: Vor wenigen Wochen ist hier in der Gemeinde aufgrund von Reparaturarbeiten an einer Stromleitung der Strom ausgefallen. Die Folge war, dass die in den vergangenen Jahren mit – wie ausgeführt – erheblichem finanziellen Aufwand ausgebaute digitale Infrastruktur schlicht nicht mehr nutzbar war.

 

Gibt es ein Lebensmotto, das Sie begleitet?

Herbert Wehner hat einmal gesagt: „Trotz alledem: Weiterarbeiten und nicht verzweifeln.“

 

Wie wollen Sie in Erinnerung bleiben?

Noch bin ich da und im Amt.

 

Foto © Peter Ziegelmeier

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