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(GZ-24-2021)
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► Erhebung der Corona-Zahlen:

 

Transparenz oder „statistische Unschärfe“?

 

Wie hoch sind die Inzidenz-Zahlen von Ungeimpften wirklich? Laut der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag hat die Staatsregierung positive Corona-Tests von Menschen, deren Impfstatus unklar war, den Ungeimpften zugeschlagen. CSU und Freie Wähler räumten zwar eine „statistische Unschärfe“ ein. Auswirkungen auf das Pandemie-Geschehen oder die Maßnahmen habe das aber nicht.

FDP-Fraktionschef Martin Hagen betonte zu Beginn der von der Fraktion selbst einberufenen Aktuellen Stunde im Plenum Anfang Dezember, dass er bisher Vertrauen in die offiziellen Zahlen der bayerischen Behörden gehabt hätte. Wenn aber bei rund 70 Prozent der corona-positiven Menschen der Impfstatus unbekannt sei, könne daraus keine Inzidenz für Geimpfte und Ungeimpfte berechnet werden. Dennoch habe Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gesagt, die Inzidenz bei Ungeimpften liege in Bayern bei 1600, bei Geimpften bei knapp 100. „In Wirklichkeit liegt die Inzidenz bei Geimpften 3,5-mal so hoch“, kritisierte Hagen. Das Kleinrechnen des Infektionsrisikos würde den Geimpften eine trügerische Sicherheit vermitteln und allgemein das Vertrauen in die Pandemiemaßnahmen untergraben.

Schaden für aktuelle Impfkampagne

Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) betonte, dass andere Bundesländer und das Robert Koch-Institut zwar eine andere Berechnungsweise der Inzidenzen von Geimpften und Ungeimpften hätten. Begriffe wie „Skandalisierung“, „Täuschung“ und „Fälschung“ seien aber „völlig daneben“. Stattdessen gelte es jetzt, Kontakte zu vermeiden und für die Impfung zu werben. Das LGL habe eine „hochwissenschaftliche Expertise“.

Zahlen der Hospitalisierung statt Inzidenz

Auch CSU-Generalsekretär Markus Blume warf der FDP vor, mit der Aktuellen Stunde die Bekämpfung der Corona-Pandemie zu untergraben. „Natürlich ist eine statistische Unschärfe von Daten nicht gut.“ Es sei aber immer klar gewesen, wie die Zahlen des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) erhoben würden.

Fakt sei: „Das Infektionsgeschehen geht von Ungeimpften aus.“ Abgesehen davon sind laut Blume ausschließlich die Zahlen der Hospitalisierung ausschlaggebend für die Corona-Maßnahmen.

Andreas Krahl (Bündnis 90/Die Grünen) kritisierte sowohl die FDP als auch die Staatsregierung. Es sei von den Liberalen nicht richtig, ausgerechnet bei einer dunkelroten Corona-Ampel die aktuellen Maßnahmen wegen „Schätzungsfehlern“ infrage zu stellen. Andererseits sei es von der Staatsregierung auch nicht hinnehmbar, dass der Impfstatus „wegen einer Überlastung der Gesundheitsämter“ nur nachrangig aufgeklärt würde.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Freien Wähler, Dr. Fabian Mehring, warf der FDP vor, mit dem vermeintlichen Skandal lediglich eine „statistische Unschärfe“ aufgedeckt zu haben, welche das LGL seit Monaten transparent darstellen würde. Abgesehen davon richten auch laut Mehring Bund und Länder ihre Maßnahmen schon seit Monaten nicht mehr nach der Inzidenz, sondern nach der Krankenhausbelegung aus. Als Konsequenz forderte er, bei jedem staatlichen Test den Impfstatus zu vermerken.

Fragwürdige Zahlen

„Wer das Vertrauen in die Impfkampagne stärken will, sollte nicht mit fragwürdigen Zahlen arbeiten“, betonte SPD-Fraktionschef Florian von Brunn. Er forderte, transparenter mit den Zahlen umzugehen und die Gesundheitsämter für eine genauere Erhebung besser auszustatten.

 

 

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